Brief 01/09
01.03.2009

In wirtschaftlich schlechten Zeiten — also diesen — ist sie so unverzichtbar wie selten: “Die Studie”. Tausende von gut bezahlten Polit- oder Marketingprofis, wie sie Wirtschafts-Hochschulen semesterweise in den Markt werfen, sind davon abhängig. Keiner dieser Profis kann es sich heutzutage leisten, eine Meinung wissenschaftlich unbegleitet der Geschäftsführung vorzulegen, denn das hieße ja, eine eigene Meinung zu haben und dafür auch die Verantwortung zu übernehmen. — Also keiner!

(c) Die PresseNeben den Studien — das Wort allein suggeriert uns schon, dass hier studierte Menschen einer seriösen Profession nachgehen — hält sich beharrlich eine ganze Menge äußerst suspekter Orakel, deren Urteilsspruch die globalisierten Medien genüsslich über den Planeten streuen. So ist es den diversen Lebewesen der Spezies “Marmota monax” nicht zu verdenken, dass sie äußerst rabiat werden können, wenn sie jährlich zu “Maria Lichtmess” unsanft aus den Träumen des Winterschlafes gerissen werden. — Ich zumindest hätte auch gebissen, da ich bis heute nicht einsehe, was ich als Vieh dort drüben mit dem mießen Wetter hier in Österreich zu schaffen haben soll.(c) DerStandard

So wenig kalkulierbar wie sonstwo das “Wetter” ist hierzulande nur noch der “Wähler”, was den professionellen Demoskopen schon mal zu denken gibt, da sie mit ihren wissenschaftlichen Studien mehr oder weniger glanzvoll daneben liegen und es seit Jahren leid sind, dies rechtzufertigen. Ein kleiner Methodenwechsel gefällig, der hier wieder verlorene Treffsicherheit gewinnen kann? — Wir schlagen vor, doch medienwirksam nachzusehen, ob sich am Sonntag vor einer Wahl, der Lindwurm am Klagenfurter “Neuen Platz” ankotzt. Vielleicht kommt man ja dadurch zu einer wesentlich präziseren Prognose.

Nun ja, wir haben auch wirklich ein paar größere Aufgaben anzupacken und wollen unsere Zeit nicht damit verschwenden, dem Wahlverhalten der Mannen / Frauen unseres relaxtesten Bundeslandes nachzutrauern.

(c) DerStandardDie EU ( ja, die schon wieder) sucht in Zeiten wie diesen nach “den Lösungen” und demonstriert uns dies anschaulich bei diversen Gipfeltreffen auf höchster Ebene. Auf uns wirkt das ja eher wie die “Reise nach Jerusalem”, bei der wir als Kind immer verloren haben, mit dem Unterschied, dass dieses Schlitzohr von Sarkozy diesmal alle statt nur einen Sessel aus der erlauchten Runde entfernt hat. Mischen wir uns also nicht ein in solch sensible gruppendynamische Prozesse — wir veranstalten / besuchen ja selbst auch manchmal solche Seminare für Führungskräfte, lassen uns dabei aber nicht so gerne fotografieren — und lassen die Herrschaften in aller Ruhe arbeiten. Es geht um Milliarden, die unsere Nationalbanken nächst drucken dürfen und das schafft wieder Arbeitsplätze in Banken und anderen (halb-)staatlichen Institutionen, die Geld verteilen, damit es allen wieder gut geht in dieser Welt.