Brief 03/09
26.04.2009

Des Österreichers Lust am Untergang ist ungebrochen. Gerade, in voller Hocke, die Linien seiner Aktienkurse runter und erst am halben Weg ins Tal, schwelgt er schon von der nächsten Kriese, in der es uns dann erst so richtig schlecht ergehen wird. — Wie schön!

(c) ÖsterreichDas mag von einem Trauma herrühren, wegen dieser grandiosen, historischen Donaumonarchie um 1900 herum und so. Das ist die Jahrhundertwende, jedenfalls heißt die noch immer so, wenn einem überteuerter Plunder am Flohmarkt angedreht werden soll. 2000 hat sich ja ein Jahrtausend gewendet und kein Jahrhundert. Jedenfalls ist es ein Thema, wo die alten Herrn der Studentverbindung immer ganz feuchte Augen kriegen, und tief in die Taschen (anderer Leute) greifen, denn sie alle sind heute Politiker und Bankdirektoren oder sie waren es zumindest bis Mitte letzten Jahres noch. Daher haben sie viel spekuliert auf diesen Märkten, die nun keine Märkte mehr sein wollen und nur mehr eines von uns brauchen: Geld — viel, viel Geld.

(c) KHG im KurierUnd das haben wir ja selbst nicht mehr in überreichlichem Maße. So zelebrieren wir unseren Rückzug in eine neue Bescheidenheit ohne Sack und Asche. “Jeder sollte derzeit zweimal überlegen, was er sich echt leisten kann”, stimmt ein braun- gebrannter KHG (Karl-Heinz Grasser), gerade zurück von einem dreiwöchigen Osterurlaub auf den Malediven, in seinem Gejammer auf hohem Niveau für ausgewählte Printmedien an. Und auch sein Mitleid für die Klein-Aktionäre hat er dort uns zuteil werden lassen.

Gerade frisch alamiert, durch den Aufmacher der Freitag (c) Krone Abendausgabe in der "Neuen Kronenzeitung" mutmaßten wir schon die nächste Massenentlassung in einem der hier angesiedelten Paradeunternehmen: der AUA, ÖMV oder VÖST zum Beispiel. Wir konnten aber aufatmen, als auf dem zweiten Blick klar wurde, dass es nur die Schüler waren, die sich (wieder einmal) von ihren Lehrern verraten fühlten. Es sei ihnen dieser Tag gegönnt, es zeigt uns aber, dass die Nerven ziemlich blank liegen.

(c) Kurier Da kommt der KHG also gerade vom Urlaub und sagt uns alles über Arbeit MIP und Moneten: “Ich trete an um Erfolg zu haben.” und “Wir müssen sparen und dabei konsumieren.”

No Problem! — Gerade wir haben Verständnis für eine reflektiertere Lebensweise, für ein paar einfache Wahrheiten aus der Zeit vor der großen Gier, zu denen wir durch unsere Rückkehr in die eigenen Gärten wieder finden. Sie wären in ihrer Erdigkeit geeignet, sie dem Manne um die Ohren zu hauen: “Du kannst nicht ernten, was du nicht gesät hast!” und ein wenig “Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht!” täte unser Ernährung, wie auch unserer (Land-) Wirtschaft auch recht gut. Also bei aller Liebe zum Garten und den Kräutern seiner Frau: Müssen wir darum auch gleich den Gartenzwerg zum (Wirtschafts-) Philosophen machen?

(c) DerStandard(c) Krone(c) DerStandard

LG Euer B.

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