Brief 02/08
21.06.2008

(c) Pammesberger KurierDie UEFA-Euro2008 läuft noch und tangiert die beteiligten Volksstämme so lange sie noch mitspielen dürfen. Wir Österreicher haben wieder einmal unter Beweis gestellt, dass wir zwar mit Skiern an den Füßen aber nicht mit Fußbällen vor den Zehen aufwachsen und so schimmert schon wieder hie und da der fahle Abglanz heimischer Politik durch den Blätterwald.

Ein Glück muss man sagen, denn diese Koalition wollte sich ganz hinter dieser EURO verstecken um dann gemächlich in den Sommer zu schludern. Nix da! — Nun musste Gusi I. sich in seiner Allmacht durch einen Controler einbremsen lassen; der ÖVP liegt der Gedanke nicht fern, nach kräftiger Wahlschlappe nun Süd-, Nord- und Ost-Tirol zu einer autonomen Region zu fusionierene und alles an russische Oligarchen zu privatisieren. Sowohl Pensionsreform wie auch die Pflegeregelung sind in dieser Regierung nicht zu diskutieren, nur die Spesenregelung wurde wieder mal einstimmig beschlossen. Dabei trifft den Bürger eine Teuerungswelle nach der anderen. So berichtet uns italienische Polizei, sie werde in Supermärkten mit einer völlig “neuen” Art der Kriminalität konfrontiert, die sie eigentlich seit dem zweiten Weltkrieg ausgestorben wähnte. Die Globalisierung der Finanzmärkte ist auch in Europa2008 endlich “bei den Menschen angekommen”, nicht als Immobilienkrise sondern als Lebensmittelkrise.

(c) Die PresseDie Preise für Weizen und Erdöl sind heute doppelt so hoch wie im Vorjahr. Nicht etwa weil das Angebot knapp wurde, sondern weil sie zu Spekulationsobjekten verkommen sind. Dies können wir moralisch bewerten, doch in einer globalen Wirtschaft, deren Vorteile wir gerne allenorts kritiklos genießen, nicht direkt ändern. — Dein abgeordneter Politiker wird übrigens immer behaupten, die Vorteile hätte er für dich erkämpft, die Nachteile stammen nur von dieser EU! — Aber auch das geht vorbei. Wenn wir den Gürtel etwas enger schnallen, nicht auf jedes Schnäppchen hereinfallen und auf all den Plunder verzichten, den wir sowieso nicht brauchen.
Der Markt rächt sich und er rächt sich kräftig, denn der Investor ist und bleibt nun mal ein sehr scheues Reh.

(c) KroneAls die USA im März 2003 ihre “Koalition der Willigen” in den Krieg gegen den Irak führten, waren viele Ungläubige davon überzeugt, dass es ihnen nur um die dort lagernden Öl-Reserven ging. Stimmt die Annahme, dann wird dieses Kriegsziel jetzt – mehr als fünf Jahre danach – erreicht. Denn noch im Juni wollen die westlichen Öl-Konzerne Exxon Mobil, Shell, Total und BP Verträge mit der Regierung in Bagdad über ihre Rückkehr abschließen. Die Verträge wurden mehr oder weniger freihändig an die vier Öl-Giganten vergeben, die sich damit gegen mehr als 40 internationale Mitbewerber durchsetzten. All diesen Unkenrufen zum Trotz muss jetzt wohl jedem klar sein, dass allein der starke Glaube der US-Bevölkerung jetzt dieses Wunder vollbrachte. — Halleluja!

(c) KurierDas erste Halbjahr ist gelaufen. Über den Sommer tut sich jetzt natürlich nichts mehr von Bedeutung. Die Preise für Benzin passen sich ein in den natürlichen Jahres-Rhythmus, wie dann die Preise für Gas im Winter. Eine nette Kampagne Frankreichs sensibilisiert auch uns wieder für das Thema Verkehrssicherheit in all den zu erwartenden Staus.

Wir machen Urlaub und denken über einige unserer Glaubenssätze nach, wie z.B.: “Habe ich jetzt meine Hände gewaschen, oder?” Auch vielleicht darüber, wie diese Schlaumeier von Fliegen so klug sein können Dumm zu sein.

Gewählt wird wieder ab Herbst, bis dorthin haben sich auch die Iren wieder eingekriegt und so nimmt das Leben weiter seinen Lauf.

LG Euer B.