Brief 03/08
24.07.2008

(c) KurierDass in einer Zeit wie dieser wieder vermehrt Briefe geschrieben werden finden wir eine wunderbare Sache. So haben neulich Herr F. und Herr G. gemeinsam sich ein Herz gefasst und dem Herrn D. brieflich sich erklärt. Und da Briefgeheimnis und verwandte Bürgerrechte in eben dieser Zeit von unserem Innenministerium auf den bewährten Stand von 1840 gebracht wurden, darüberhinaus der solcherart heftig Umworbene glückstaumelnd sich gebärdete, sind all die geschaßten Geliebten naturgemäß “not amused”. Von langer Hand vorbereitet, haben sie kurzerhand diese Regierung gekippt.

Der Erfolg hat bekanntlich viele Väter und so wundert es schon, dass der Herr D. diese Vaterschaft so ungefragt von sich weist. Wahrscheinlich nur wegen der ausstehenden Alimente und “weil er lieber seinen Hund krault als Macht auszuüben”, wie er sagt.

Der Herr T. ist übrigens auch nicht der illegitime Sohn vom alten Herrn Prof. K., obwohl er sich lange Jahre in diesem Glauben wähnte. Die Ernüchterung im Juni 2008 war heftig. — So schnell können Karrieren enden.

(c) Kurier

Dieser Fall von Rosstäuschung ist nur eine Facette von Verhaltensweisen, die uns in unserem Kärnten ungut aufstoßen. Der einschlägig bekannte Landeshauptmann (Herr H.) dieses schönen Bundeslandes, deportiert nächtens illegal Asylwerber und schickt sie nach Niederösterreich. Seine Bundeskanditatur im Herbst für seinen Wahlverein BZÖ hingegen hat er in bewährter “ich bin da — und wieder weg” Manier bislang nicht bestätigt. Wohl aber hat er Frau Sch. dermaßen gedemütigt, dass sie fustriert ihren Job als Sitzenpolitikerin an den Nagel hängt. Als sie bei ihrem Chef, dem Herrn F., auch kein offenes Ohr findet, nimmt sie, ohne die Briefform zu bemühen, gleich vor Volk und Partei reißaus. Auch auf solche Art können Karrieren enden!

(c) derstandard

Ein Schreiber in voller Profession hingegen ist der Essayist Herr S.. In den letzten Jahren sei er ein gefragter Mann geworden, wunderte er sich im Gespräch. Höchstwahrscheinlich, so vermuten wir, hat er in den Jahren zuvor so viele Antworten ungefragt in seine Bücher geschrieben, dass man jetzt glaubt, wenn er um selbige ja eh nie verlegen war, da könne man ihn ja auch gleich fragen, wenn er schon mal da ist.

Der 74 jährige Herr I. hat auch in sein Notizbuch geschrieben, dies aber kurz unterbrochen um sich, auf der Bühne der Wiener Staatsoper, kurz zu verneigen, ans Klavier zu setzen, eineinhalb Stunden solo im Stück zu spielen, sich wieder zu verneigen, im tosenden Applaus abzugehen, um dann noch eine Zugabe von einer halben Stunde nachzuliefern.

(c) Kurier(c) KroneHerr L. (70) brachte nach der Pause mit seinem Quartett das ehrwürdige Haus endgültig zum Erbeben. Der Sound trug weitere eineinhalb Stunden, in denen keinerlei Langweile aufkam. Beiden Herrn merkt man ihre unglaubliche Energie und diese immense Freude am Spiel und am Leben einfach an.

Vorwiegend Poesie schreibt dafür die Rockröhre Frau S. (62) und vertont sie zum Zwecke des Vortrags vor dem geneigten Publikum. Wenn sie auftritt, tut sie das unspektakulär und doch gewaltig. Drei Akkorde — "Pissing In A River" — und sie hat ihr Publikum.

Nun gut, unsere Politiker sind keine Stars. Doch wie wollen diese Leute Menschen für ihre Ideen gewinnen, wenn man ihnen von weitem schon ansieht, dass ihnen ihr Job nicht die geringste Freude bereitet.

Und warum sollen wir im Herbst eigentlich wieder 183 + (11 bis 14) Zombies wählen, die Zeitung lesend, gähnend, schwätzend, schlafend und gelangweilt in unserem Parlament herumlungern.


Euer B.