Brief 04/08
14.09.2008

Seit zehn Jahren verbreiten wir nun unsere Elaborate im Internet. Am 11.09.1998 genau haben wir uns gedacht, es sei doch dämlich einen damals mühsam gestalteten Newsletter weiterhin nur per e-mail an einen definierten Kreis von Wahnsinnigen — die Mailgemeinde — zu verschicken und haben diesen auf eine Website ausgelagert, um solchen erlauchten Kreis zumindest potentiell zu erweitern. Somit ist es schwer an der Zeit ein paar Takte darüber zu sinnieren und die hard facts hier auch einmal auf den Tisch zu legen.

A very brief history of ...

(c) ÖsterreichWenn wir heute unsere ersten Seiten betrachten, laufen die aus der ihnen damals zugedachten Form. Mit zunehmenden Maße, die Beiträge gestalten zu wollen, wurden aus den einst trickreich geformten optimalen Ergebnissen heute Seiten, die in keinem Fall den damaligen und viel weniger noch den heutigen Ansprüchen genügen. Somit sind sie ein Stück (persönlicher) Geschichte. Diese Technologie hat sich nicht ganz unerwartet weiterentwickelt. Neue Standards und Browser, die diesen auch folgen, haben die inhaltliche Arbeit im Medium wesentlich erleichtert.

God bless our sites!

All die Tricks und Gimeks, um damals mit HTML 3.1 und Netscape 3 bzw. IE 2 halbwegs ansehliche und nichtlangweilige Seiten zu schaffen, wenden sich nun gegen uns. (c) Die PresseDie alten Sachen werden wir nun nicht mehr umschreiben. Es fehlt ja schon die Zeit neue Beiträge zu verfassen, lediglich eine kleine Navigationsleiste haben wir dazu geschmuggelt, wenn diese einmal “frameless” aufgerufen werden. Nichts läßt sich gewaltsam aus dem Web entfernen, doch haben wir leider auch keine Kontrolle darüber was davon bleibt, wenn wir Povider und Server wechseln.

In google we trust?

Natürlich haben wir uns bei dieser Gelegenheit auch die erfreuliche Entwicklung der Zugriffszahlen angesehen und nehmen wohlwollend zur Kenntnis, dass unsere merkwürdigen Beiträge mittlerweile ihr stetes Publikum gefunden haben. Womit wir jedoch nie gerechnet hatten ist, dass ein Großteil der Referenzen aus privaten Blogs einzelne Bilder oder Zeitungsausschnitte betreffen, die wir im Laufe der Jahre kommentierten. Hier unsere derzeitigen Spitzenreiter:

  1. der Mekong Wels
  2. der Elvis
  3. der Schutzengel

Wir wünschen uns selbst weiterhin das Interesse, die Zeit, ein paar kreative Ideen und viel Muße für die nächsten paar Jahre.

(c) DerStandardHandys, als unser Lieblingsutensil, sind auch immer ein begehrter Grund Studien in Auftrag zu geben. Langsam keimt in uns jedoch der furchtbare Verdacht, dass die in Österreich im Europaschnitt so überaus günstigen Tarife, eine schlechte Aufwandsentschädigung für die Teilnahme an einem Langzeitversuch unter Laborbedingungen darstellen. Wähernd bei uns hauptsächlich, Gängelbarkeit, Tarifakrobatik, Frustrationstoleranz und Maximalzahl gerade noch händelbarer Handys Forschungsthemen sind, ist man in England eifrig um Sicherheitsaspekte bemüht. Ein gesamteuropäisches Projekt eben.

p.S.: "Mit beruhigenden Klängen von Händel im Ohr überlegte der Richter, wie er den morgigen Händel, bei dem es um einen Handel mit einem Hendl gehen würde, am besten händeln sollte."

Noch eine Studie: Unsereiner trinkt ja eher “um zu vergessen” als sich zu erinnern, sagt die Motivforschung, doch in Zeiten wie diesen wird an jedem noch so kleinen Nieschenmarkt gebastelt. Wie immer bei Industrieprodukten ist die regelmäßige Einnahme dabei von immenser Bedeutung um die in der Studie vermuteten Effekte auch zu lukrieren. Ein großes Wagnis. Gerade diese Klientel könnte auf diese Regelmäßigkeit glatt vergessen, und so werden in den nächsten Monaten an die 100.000 Trinkberater geschult und einstellt.

(c) Krone(c) Presse und Pammesberger (Kurier)Einmal gar kein Geld zu haben, oder auch wieder sehr viel davon ist etwas erstaunlich Relatives. Nur der gerade aktuelle Tauschwert definiert den Wert. Solange Preis und Gegenleistung in vernünftiger Relation zueinander stehen, sprechen einschlägige Experten von einer stabilen Wirtschaft und Konsumenten von Wohlstand.

Entartet einmal der Preis, wie z.B. der Ölpreis, werden die Politiker in Anti-Teuerungs-Pakete gehetzt um den Volkszorn in Wahlzeiten zu mindern.

Gehen ganze Banken pleite, ist man froh, in seiner Gier nicht alles in abstrakte Kurven investiert zu haben sondern nebenbei noch etwas im Gemüsegarten angebaut zu wissen.

Das bisschen Naturalwirtschaft stellt den Fiskus vor neue, nicht uninteressante Aufgaben. Der Ab- Hof-Verkauf ist geregelt, zumindest solange wie die jetzige Mehr- wertsteuerregelung hält, der Bring- Mit-Einkauf kann nur noch viel, viel lustiger werden.

(c) KurierAllzu deutlich ist aber auch zu sehen, dass unser Parlament mit freien Mehrheiten ohne Klubzwang gar nicht umgehen kann. Die Anti- Teuerungs-Paket Abstimmung, am Freitag um 19h, hatten immerhin 19 Abgeornete einfach in der Cafeteria verpennt. Es ging schießlich nur um ein paar Milliarden EURO anderer Leute. — Dem Gusenbauer hat man einst die launige Bemerkung übel genommen, dass dort nach 16h niemand mehr arbeitet. — Und jetzt stellen sich diese Helden auch noch ungeniert zur Wiederwahl und fordern. Wir fordern auch: endlich nasse Fetzen statt Wahlzettel an den Urnen vorzufinden.

“A Revoluzzer müaßt ma sei, dann war der Ärger schnei vorbei, aba wer macht si scho di Plog und revoluzzt den ganzn Dog.” (Konstantin Wecker). Darum gibt's die Briefe auch weiterhin nur so 5-6 mal pro Jahr.
LG Euer B.