Brief 05/08
29.11.2008

(c) Die Presse
Vorerst hieß es nur, ”ein paar gierige Spekulanten” hätten sich da verzockt und gegen “vereinzelnte schwarze Schafe” werde man gemäß der bewährten Standesregeln in aller Härte vorgehen. Schlußendlich lebe die erlauchte Branche der honorigen Investmentbanker vom Vertrauen und der Diskretion. Schnell wurden ein paar “sündige Böcke” gestellt und geschlachtet.

Und nun haben es plötzlich alle getan. Nicht nur bei Immobilen, sondern mit allem, was nicht niet und nagelfest ist. Ein systemimmanent völlig korrektes Geschäftsgebaren. Welchen Kummer hätten uns die werten Herren da ersparen können?

(c) KurierEin Herr Elsner z.B. hat einen nunmehr einjährigen Prozess plus parlamentarischen Untersuchungsausschuss hinter sich und 9 1/2 Jahre Haft ausgefasst. Zu früh gefangen, zu schnell gehangen! Denn die paar Millionen der Bawag sind nach heutigem Erkenntnisstand ein Bagatelldelikt und seine Famile auszurotten, nur weil man sich um 360.000 € verspekuliert hat, würde in diesen kalten Tagen — Gott Sei Dank! — auch niemandem mehr in den Sinn kommen. Geld ist nun mal ein recht relativer Wert. Ein Bargeldschein ist eigentlich nicht mehr als ein mit viel Aufwand fälschungssicher gemachter Gutschein, für den wir, so hoffen wir, dann einen Sack Kartoffel kriegen, wenn wir ihn dringend brauchen. Die vielen Billionen Dollar, die durch die Finanzkrise vernichtet wurden, haben auch vorher nicht wirklich existiert. Es ist nur eine hypothetische Zahl und ihr Wert angewandte Psychologie. Niemand traut mehr dem Anderen, die Banken untereinander schon gar nicht.

(c) KurierJetzt wird von den Staaten jede Menge Geld, das nicht existiert, in die “umwölkten” Banken gepumpt und es ist ebenso Psychologie, warum die darauf sitzen und erst mal garnix tun. Solange kein wirklich materieller Wert dahinter steckt, wird einfach “wertberichtigt”. Wirklichen Schaden hat nur der, der mit seinen Häusl oder seinem kargen Lohn dafür gebürgt hat. Was Heim und Arbeit wert sind, ist schon wieder Psychologie, oder ist das schon Politik? — Wenigstens meine Madratze hat ihr AAA-Rating wieder!

(c) KroneDabei liegt in jeder Krise mindestens eine Chance, wie uns ein Rudel illustrer Unternehmensberater schon seit Jahren bei jeder Gelegenheit um die Ohren haut. Es liegt in der Psychologie des Einzelnen was er daraus macht. Studien, wie “Welcher Kisentyp sind Sie?” werden schon bald nach Jahreswechsel die Beilage zur Kronenzeitung erobern und wir können sicher wieder aus (richtig geraten!) 4 Typen wählen.

(c) Die PresseDer 74 jährige Herr Udo hat auch, auf (seine ganz persönliche) Krise reagierend, erst kürzlich etwas Vernunft angenommen nachdem ihm eines Nachts der Zeitgeist erschienen ist. Mindestens drei Generationen Frauen betrauern zutiefst, nun doch nie mehr bei ihrem Idol zum Zug zu kommen.

Unsere Regierungen haben jetzt beste Chancen, aus vielen guten Beispielen zu lernen. Denn um in solch einer Krise erfolgreich zu sein, bewährt es sich, seine Geschäfte offen und ohne jegliche ideologische Denkverbote zu betreiben. Die Mafia hat dies wiederum als erstes erkannt und verscherbelt nun selbst die Raubkopie eines mafiakritschen Films auf den europäischen Märkten.
Alles in allem waren die, ehemals gut verdienenden, jetzt reihenweise gestürzten Investmentbanker Männer in den besten Jahren, die jetzt statt 18 Stunden im Büro nun 24 Stunden zu Hause herumnerven. Die Frau von Welt wendet sich angeeklelt ab von diesen Versagern.

(c) DerStandard

(c) Kurier

Kärnten betrauert den tragischen Unfalltod ihres einschlägig bekannten Landeshauptmannes. Sein Wahlverein düfte sich hiermit wieder von der politischen Bühne verabschieden. — So long, Lebensmensch!

So bleibt uns nur, flexibel zu sein, uns wieder einmal nicht unterkriegen, und vorallem uns nicht für dumm verkaufen zu lassen. Die ersten Angebote für "noch sicherere Finanzprodukte" sind schon wieder am Markt, werden eifrig beworben, um den Leuten auch noch den letzten Euro abzunehmen. Lieber aber stecken wir ihn in das heurige Weihnachtsgeschäft und kurbeln damit eifrig am österreichischen Wirtschaftsmotor. Schön wär's, denn wir selbst haben wunderbare Träume von diesen Weihnachen 2008.

Euer B.