Brief 02/07
14.05.2007

(c) Die PresseEinige von uns kennen sie vielleicht noch seit Kindestagen, die mehr oder weniger gütigen Begleiter aus unseren anderen Wirklichkeiten. Wie Cherubim und Seraphim über unseren Betten wachten, wenn wir ein oder zwei Nächte bei unseren Urgroßmüttern verbringen durften.

Und immer waren sie nah und doch fern, schemenhaft nur, unfassbar im wahren Wortsinn und das war auch gut so. Das alles war.

Seit die Avatare das Internet durchströmen und in Second Life sogar die Macht übernommen haben ist es zumindest für uns Computer Junkies ein ärgerliches MUSS auf jeder noch so sinnlosen Website einen Avatar zu haben. Daran haben wir uns gewöhnt.

Offenbar dadurch schwer beglückt haben nun die, fast nur noch am Computer arbeitenden, Kreativen diverser Agenturen konzertant beschlossen, sich mal ordentlich zu rächen. Sie stellen diese Figuren dem Alltagsmenschen zur Seite, damit diese ihm von nun an in alle Lebenslagen folgen und ihm dabei gehörig auf die Nerven gehen. Das einem stets der Frisör nachschleicht um bei jeder Gelegenheit seinem Opfer an den Haaren herumzuzupfen, ein Strähnchen zu fassionieren und dabei Haarspray für ein ganzes Ozonloch zu versprühen ist wahrlich schon peinlich genug. Doch damit lässt man es nicht bewenden.

(c) Die Erste(c) BillaSeit gut einem Jahr rückt uns unsere Bank nicht mehr von der Pelle, wohl weil in Österreich die Anzahl der Privatkonkurse viel verlässlicher steigt als jeder Aktienindex. Man will ja nix verpassen! und sowieso “In jeder Beziehung zahlen, äh', zählen die Menschen.” wie es so schön im Slogan heisst.

Den Vogel abgeschossen hat aber die Kampagne von Billa mit dem Hausverstand, welcher uns neulich gerne im Ohr sitzt. Der hatte bisher einen tadellos Ruf, bevor er in Form dieses penetranten Langweilers ungefragt inkarniert wurde und so seinen Ruf nachhaltig ruinierte. Man soll sich halt von seinen Göttern kein Bild machen, wie es unseren Altvorderen schon aufgetragen war. Das geht schief.

Als uns dann der Hausverstand geraten hatte das Bier gleich palettenweise einzukaufen, hat es sogar dem durch die “Komasaufen Debatte” sensibilisierten Familenvater in unserem Mietshaus gereicht und er hat dort angerufen. Was er ereicht hat? Zukünftig werden die Scannerkassen so umprogrammiert, dass bei harten Getränken, die Kasse blockiert und die Kassenkraft sich der Volljährigkeit des Konsumenten versichern muss, damit der Zahlungsvorgang wieder freigegeben wird. Inwieweit dabei der Hausverstand seine Finger im Spiel hatte “blieb vorerst unklar” (wie das neuerdings im trendigen Journalistensprech heißt).

Unsere besten Freunde aber, unsere ganz lieb gewordenen Companions hingegen flehen mit treuherzigsten Blicken der neuen ungewohnten Konkurrenz nicht allzu viel Aufmerksamkeit zu teil werden zu lassen. Denn das macht selbst dem plichtgetreuesten Hund schwer zu schaffen. So werden alte, durch Domestizierung eingeschränkte, Verhaltensweisen plötzlich wieder aktiv, aus Protest, selbstverständlich! Das schafft Aufmerksamkeit und selbst wenn der Hund eindeutig überführt wird, in dieser Beziehung zahlen die Menschen.

Also nehmen wir getrost ein Sackerl für das Gesülze dieses seltsamen Hausverstandes und entsorg ihn. Der Weg vom Postkasterl zum Wohnungstürl führt ohnehin in den meisten Fällen vorbei am Müllküberl und dann ist die Sache schnell und schmerzlos vorbei - ungelesen.

Euer B.