Brief 03/07
30.06.2007

Eine solche Nachricht schockiert zu tiefst: Die Hightechmedizin hat ein paar Kratzer auf der alglatten Schale ihrer Proponenten bekommen. Zumindest befremdlich, dass es 2007 immer noch eine solch hohe Infektionsrate in Krankenanstalten und Arztpraxen der EU gibt. Der gute Semmelweiss könnte noch im Grabe rotieren! ZDF versucht es mit pietät- und holdvoller Wiederholung der “Schwarzwaldklinik”, doch wir wissen schon längst: raus aus den Kranken- häusern und rein in die Hitparade!
(c) Krone

Doch nicht nur das Leben geht zu Ende. So manch ein liebgewonnener und unterhaltsamer Streit neigt sich mit der Sommerpause seinem wohlverdienten Finale zu. Der Eurofighter Untersuchungsausschuss zum Beispiel. Der Abschlußbericht darf erst in 15 Jahren veröffentlicht werden, so brisant sind seine Inhalte:

(c) EADS15 Eurofighter werden also in Österreich ihren pragmatisierten achtstunden Dienst tun. “Zu wenig zum Leben und zum Sterben zuviel”, meinen manche, vor allem die Militärs, und so mach involvierter Berater, wird wohl sein Erfolgshonorar geschmälert wissen. Die Regierung hat derob wieder einmal Vorwand zur Krise und auch sonst: Alles Bestens!

Egal! — Abgewickelt wird der Ankauf des Eurofighter Typhoon über Bawag-PSK, jener Bank, die erst kürzlich von dem als Heuschrecke getarnten Höllenhund Cerberus übernommen wurde. Family Business as usual, wenn man so will. Denn Kerberus (wie er in der griechischen Mythologie heißt), ist ein Sprössling der Echidna und eben jenes Typhon (Typhoon), seine Geschwister sind Chimaira, Hydra, der Löwe von Nemea, Orthos (Hund des Geryon) und Sphinx – ebenfalls Ungeheuer der griechischen Mythologie. Die Finanzierung des Lebensunterhalts von Typhon durch Kerberus kann wohl als die Rückprojektion unseres Generationenvertrags für Pensionen in die antike griechische Götterwelt gedeutet werden.

Und überhaupt! Was anderes, als reine Schimäre (Chimaira), war denn dieser größte Beschaffungsvorgang der zweiten Republik, mit seinen Ministern, Parteichefs, Air-Chefs, Schießübungen, Lobbyisten und Pressekonferenzen? Kann man denn hierzulande kein Geschäft abwickeln, ohne dass es einem vor Peinlichkeit die Fußnägel hochrollt?

(c) OrfÜberstanden haben wir auch das Heldenepos "Mitten im Achten". Es ist, die Geschichte des Scheiterns eine mittelmäßigen Idee, realisiert zur falschen Zeit am falschen Ort. Aber bewundernswert immerhin der Mut, auf die in Österreich üblichen verdächtigen Darsteller — von Armin Assinger über Christiane Hörbiger, Robert Kratky, Markus Rogan bis Dagmar Koller — zu verzichten, was wohl mit ein Grund für die schlechten Quoten gewesen sein dürfte.

(c) DerStandardVerabschiedet in das Sommerloch haben sich am Freitag alle jene von denen wir noch Entscheidungen erwartet hatten. So freuen wir uns auf die lauen sommerlichen Abende, die Grillfeste, das Museumsquartier, Kino unter Sternen und so mache Society-Story. Dabei bemerken wir mit Wohlwollen, dass wohl keine Erfahrung so beschissen sein kann, dass man nicht seine Erkenntnisse daraus gewinnen könnte.

Paris Hilton, schon längst wieder frei und von untadeligem Lebenswandel, hat solche über Gefängnisse zum Besten gegeben: Zu hell, zu laut, zu langweilig, und darüber hinaus unwürdig, verrohend, schlimm, bedrohlich, eine Zeitverschwendung, eine Zumutung und überhaupt dieser Fraß! Wenn das keine Hoffnung gibt? Euer B.