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Es ist die Jahreszeit um sich so seine Gedanken zu machen: Warum der Schnee ausbleibt? Vielleicht weil Reinhard Fenrich am 21.12.06 nun doch vor ein Gericht muss. Oder nur darüber, wie politisch unkorrekt Weihnachtsmann und Nikolaus, wie diskriminierend Christkindl plötzlich im gegenderten Bewußtsein klingt? Ob Flamen und Wallonen in einem Staat leben können, ob Wiener Schilder wirklich gleichberechtigt gleichgeschlechtlich oder nur mit Kärntner Zusatztaferln zukünftig auszustatten seien. All das kommt einer / einem in den Sinn, wenn Sie / Er es nicht schafft, mit der Fernbedienung des neuen Digital-TV, das richtige Programm beim Zappen zu treffen und das blöde Ding echt entnervt (Zitat: “a so a Schaß”) an die nächste Wand knallt.

So bleibt in aller Hektik gerade noch Raum für ein paar vermischte Nachrichten ohne ein wirkliches Thema, einfach um noch mal Hallo zu sagen, in diesem ausklingenden Hundejahr chinesischer Rechnung. Das nächste wird schweinisch werden, doch bis dahin haben wir noch gute 1 1/2 Monate Zeit uns einzustellen, zu planen und zu freuen.
brüsselEine frei erfundene TV-Reportage des öffentlich-rechtlichen Fernsehens RTBF hat in Belgien für Aufregung gesorgt. Flandern habe sich vom Rest des Landes abgespalten, König Albert II. sei auf der Flucht ins Ausland, verkündete der Sender. Nachdem tausende besorgte Zuschauer bei dem Sender anriefen, legte ein Sprecher von Premierminister Guy Verhofstadt offiziell Protest ein. Er bezeichnete die Polit-Fiktion des öffentlich-rechtlichen Senders RTBF als “unpassenden Scherz”. Eine solche Reportage sei “unverantwortlich und geschmacklos”.
Der französischsprachige Kanal hatte am Mittwochabend zur besten Sendezeit mit falschen Live-Reportagen berichtet, das flämische Regionalparlament habe die Unabhängigkeit des niederländisch- sprachigen Landesteils ausgerufen. Seit Orson Wells Hörspiel von der Marsinvasion nicht mehr so gelacht.
Konsequent und klar sind sind sie schon, diese neuen, streng nach Mann und Frau getrennten Fluchtwege. Und das nicht nur, weil wir inzwischen 6% Musliminnen in der Bevölkerung haben. Wenn wir irgendwo schon schnell weg müssen dann wenigstens rechts ins Einkaufszentrum und links ins Beisl. Männer wollen ja sowieso nicht “Shopping”, sie können das gar nicht, es interessiert sie einfach nicht, wie uns diese Woche die Motivforscherin Helene Karmasin in “Willkommen Österreich” erklärte.
Piktogramme, in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts von Otto Neurath als Mittel zur Abstraktion komplexer Sachverhalte in Wien entwickelt, zielten auf verbindende Symbolik gegenüber trennender Sprache  bis sie im  Jahre 2006 von
na ja
einer Wiener Stadträtin für die Gender-Mainstreaming-Kampagne des Magistrats wieder ein wenig verkompliziert wurden.
Genau die will auch nicht, dass wildfremde Männer verkleidet als Nikoläuse ihre kleinen Kinder erschrecken und diesen Brauch aus den städtischen Kindergärten verbannen. Anderswo im noch liberaleren Teil Europas, soll Weihnachten als religiöses Fest ab- geschafft werden, um die religiösen Gefühle von Muslimen, Hindus, Buddhisten und wie sie denn so alle heißen nicht zu verletzen. Und im besten und liberalsten Land dieses Planeten überhaupt kommt pünktlich zu Weihnachten ein Videospiel auf den Markt, in dem eine christl. Glaubensgemeinschaft wächst und, siedelt und sich gegen ihre Feinde tapfer zur Wehr setzt.
digitales fernsehn
Zurückgekehrt in unser weites Land, überwinden wir gerade die Segnungen des neuen digitalen terrestrischen Fernsehns (DVB-T). Deren vorzüglichste Eingenschaft, ist eine Hotline mit wirklich engelsgeduldigen Agents. Anders ist das Chaos der schnellen und erfolgreichen Einführung (= Erfolgsgeschichte) nicht zu schaffen, während die tapferen Mitarbeiter des GIS (Gebühren Informations  Service) brav jeden PC und Laptopbenutzer ermahnen, ab sofort TV-Gebüren zu entrichten, natürlich rückwirkend per 01.01.2006. Nur dann könne man, so sagt uns der tapfere Mitarbeiter, von einer Anzeige Abstand nehmen.

Frohe Festtage, euer B.