Brief 02/10
28.02.2010

Die Generation: “Zu Allem fähig und zu Nichts zu gebrauchen!” hat mittlerweile Einzug in die nationalen und europäischen Parlamente gehalten. Und das ist gut so. Denn schließlich spiegeln diese Institutionen, gemäß dem demokratischen Grundkonsens, die Gesellschaften wieder, die sie vertreten.

Doch nicht in die hohe Politik hat es uns heute verschlagen — der Haufen grenzhafter Kärntner in der letzten Ausgabe hat uns für dieses Jahr völlig genügt. — Nein, die Niederungen der Gesinnung sind uns diesmal zum Anliegen geworden.

(c) montage B.

Also, einen Rosenkranz betet man, man wählt ihn nicht zur Bundespräsidentin. Ob mit oder ohne Unterstützung kultiger Apps - er ist eindeutig spirtueller Natur — dem Leben immanent — und nicht etwas was ich wählen oder abwählen kann, je nach meinen Stimmungen, Emotionen, politschen Vorlieben und psychischen Allergien.  Doch gerade die Vertreter spirituelle Vereine plagt zur Zeit rege Unbill:   

(c) Kurier

In kurzen Stichworten beschreibt Malachias in 111 Prophezeiungen die zukünftigen Kirchenoberhäupter. Das Orakel mit den verschlüsselten Botschaften beginnt bei Papst Coelestin II (1143-1144). Malachias "Prophetia de summis pontificibus" sollen von dem Benediktiner-Pater Wion aufgeschrieben worden sein. 1595 erschien erstmals eine gedruckte Fassung, herausgegeben von Giorgio Angelieri zu Venedig.

Als "Pastor angelicus - engelsgleicher Hirte" wurde beispielsweise Pius XII betitelt - Bewohner Roms gaben Pius XII den Kosenamen "Angelo bianco", als er nach der Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg in den Trümmern erschien. "Pastor et nauta - Hirte und Seefahrer" lautete die Prophezeiung für Johannes XXIII. Orakelgläubige fanden auch dafür die perfekte Erklärung: Seine Eltern verdienten als Kleinbauern ihren Lebensunterhalt und Johannes XXIII. war vor seiner Berufung Patriarch von Venedig.

"Flos Florum - Blume der Blumen" lautete die Prophezeiung für den Kirchenfürsten Paul VI. Und: Sein Wappen zieren drei Lilien.

Der halbierte Mond "De Medietate Lunae" stand für Papst Johannes Paul I an. Halbmond? Papst? Keine Frage: Das Pontifikat dauerte nur 33 Tage, knapp eineinhalb Monde.

 

Johannes Paul II war "De Labore Solis" zugesprochen. "Sonnenfinsternis" lautet eine mögliche Übersetzung der Prophezeiung. Das würde ja Sinn machen, denn Karol Wojtyla wurde am Tag einer Sonnenfinsternis geboren. Eine andere Interpretation geht von der Übersetzung "Vom Drangsal der Sonne" aus - das konnte als Zeichen für die vielen Reisen des Papstes gedeutet werden.

Für den 2005 gewählten Benedikt XVI. sagt die Weissagung „De gloria olivæ – Vom Ruhm des Olivenbaums” voraus. Wie schon bei den früheren Charakterisierungen werden wohl erst die Ereignisse seines Pontifikats eine verständliche Deutung erlauben. Es wird versucht, darin einen Hinweis auf eine Benediktinerkongregation – die Olivetaner, die eine Olive als Symbol haben – zu erblicken, da diese Kongregation einerseits von einem Deutschen begründet wurde, sich andererseits auf den Heiligen Benedikt von Nursia bezieht, der also denselben Namen wie der derzeitige Papst trägt. Erwähnenswert ist, dass in den Erscheinungen in Manduria vom Olivenölbaum-Jesus gesprochen wird.

Der letzte Papst wird nach dem Malachias-Orakel "Petrus Romanus - Petrus, der Römer" sein. Um ihn ranken sich düstere Visionen, denn während seines Pontifikats soll die Siebenhügelstadt (Rom) zerstört werden. In naher Zukunft ist der Weltuntergang aber nicht absehbar: Erst ab dem Jahr 2800 rechnete Malachias mit dem endgültigen Verfall der Kirche.

Die seit über 2000 Jahren erfolgreich tätige Firma wird also diesen durch kleine Buben verursachten kleinen Gaubensabfall locker wegstecken und uns, durch ihre Heuchelei und Scheitern ihrer unlebbaren Konzepte noch weiterhin Vorbild und Anlass zur Meditation und Läuterung sein.

 

(c) KurierBeschränken wir uns also auf das Kulinarische. Doch gerade da wird es in letzter Zeit so richtig unappetilich, mit dem ganzen (Hartberger) Quargel der uns da aufgetischt wird. Und es kann uns schon in arge Konflikte bringen: Einerseits will ich ganz genau wissen wo meine Lebensmittel herkommen, doch sobald die Dinger einen Namen haben, kann ich sie nicht mehr essen.

(c) huete

Vielleicht sind wir aber nur an falscher Stelle viel zu empfindlich geworden: Schon der gute ALF pflegete bei solch einer Gelegenheit zu sagen: “Was - Das soll ein Buch für Katzenliebhaber sein? Da ist doch kein einziges Rezept drin!

(c) Die Presse

Vielleicht sollten wir unseren heiligen Padres im Monat einen Schokoladetag verordnen, damit sie der Zölibat nicht so sehr drückt. Oder diesen anachronistischen Unsinn endlich einmal sein lassen. Schließlich funktioniert das bei den evangelischen PastorInnen auch ohne dass sie Gottes Strafe in Form eines Blitzschlags hinwegfegt von diesem Erdengrund. Ein bischen Gottvertauen wäre da wohl wahrlich angebracht. Der Blick auf objektive Daten wird gescheut, die der Teufel das Weihwasser scheut.
Da wird sich doch lieber in Sack und Kutte gelogen. Die Wahrheit ist oft eine unbequeme welche. Nicht nur die römisch-katholische Kirche ist da blind, auch so manches Online-Medium definiert die Spielregeln einfach um, wenn sie grade nicht in den Kram passen. Und dann sind sie empört, wenn die Gratis-Gläubigen nicht folgen können oder wollen:

(c) Österreich

Wie weinen auch dieser Tatsache eine angemessene Krokodilsträne nach.

LG Euer B.