Brief 05/10
27.08.2010

Unsere Sommerausgaben sind traditionell den lieben Viechern gewidmet. Einmal, weil solche Geschichten den gelernten Wiener rühren. Zum Anderen, weil sich deren Geschicke untrennbar mit denen des Menschen verbinden und weil sonst eh alle im Urlaub weilen und es nicht sonderlich auffällt, mit welchen Inhalten die nötige Druckauflage der Zeitungen und Magazine befüllt wird.

(c) Heute

Bevor alle wieder aus ihren Sommerlöchern kriechen und als ob sie niemals weg gewesen wären Politik, Medien und Business machen, schmeißen auch wir unseren Senf dazu. Höchste Zeit, wenn schon das Parlament in Form einer Sondersitzung mit seinen Fingerübungen beginnt.

(c) Krone(c) KroneWenn in Japan ein Reh erschossen wird, schiesst ein Hund in Neuseeland seinem Herrl in den Hintern. Die vielen Freunde der ganzheitlichen Weltschau wissen, dass das alles kein Zufall ist, sondern die Konsequenz des allumfassenden Energieausgleichs auf unserm intelligenten Planeten. Viel intelligenter zumindest als die Mehrzahl seiner Bewohner.

Eine neu entdeckte Mikrobenart hat bereits mindestens die Hälfte der Ölschwaden in den Tiefen des Golfs von Mexiko vernichtet. Die Mikroorganismen seien offenbar durch die massive Ölpest nach der Explosion der Bohrinsel "Deepwater Horizon" im April angeregt worden, schreiben Forscher in einem im Magazin "Science" veröffentlichten Artikel.

(c) ScienceDiese Proteobakterien könnten Kohlenwasserstoffe schneller als angenommen abbauen, ohne dabei wie die meisten Öl-zersetzenden Bakterien den Sauerstoff deutlich zu verringern.

BP hat einfach nur die falschen Lebewesen zur Beendigung der Krise engagiert. Wäre es Tony Hayward eingefallen, rechtzeitig seine unfähige HR-Abteilung zu feuern, dann hätte er seinen Job sicher behalten. Durch lebensfremde Mitarbeiterprofile, in denen "hochgetunte Wunderwuzzis" (Die Presse) gesucht werden, statt den richtige Bewerber auf den richtigen Platz zu setzen, wird weltweit Zeit und Geld in Millardenhöhe verschwendet.

(c) Krone(c) Kleine ZeitungNeuseeland, Australien und auch Canada haben ihre Zuwanderung durch klare, nachvollziehbare Bestimmungen reglemeniert. Ganz im Gegensatz zu Österreich, wo die Interpretation von Migration einer Bande rücksichtsloser Populisten überlassen wird.

Das damit automatisch auch die Kriminalitätsrate sinkt, ist Wunsch- denken, wie das Beispiel der vier Schafdiebe zeigt. Viel leichter ist es da, beim Almabtrieb das eine oder ander Tier beiseite zu schaffen und sich so zumindest einen richtig schmackhaften Braten für das diesjährige Weihnachtsfest zu sichern.

(c) ÖsterreichDen Braten riechen auch schon jene knapp 2 Mio. Wahlberechtigte, die diesen Herbst in Wien und der Steiermark zu den Urnen gebeten werden. Jedenfalls stehen, seit Beginn dieser Woche, hier alle Signal auf Wiener Wahlkampf.
Nicht dass sich daraus neue Erkenntnisse gewinnen ließen, doch wird sich die Berichterstattung weg von unseren tierischen Freunden, hin in Richtung wohlklingender Worthülsen verlagern.

Das Wiener Blut, früher nur für Vampiere und Stechmücken interessant, soll plötzlich blutleere FP-Politik aufpeppen. Die Schwarzen haben neben dem "Kreuz, das einem nach der Wahl weh tut", keinen weiteren überzeugenden Werbeslogan zusammengebracht, die Roten spielen auf Untouchables und die Grünen haben sich Bezirksweise gespalten und dabei ins eigene Knie getroffen. – Die Todessehnsucht ist halt auch in Wien zu Haus.

Und wir werden wohl in nächster Zeit auf offener Staße verstärkt von merkwürdigen Menschen angesprochen, mit denen wir eigentlich nie reden wollten.

Ganz lustig sind auch immer die vielen Klein- und Kleinstparteien, viele haben es schon in die Wahlurne geschafft. Andere, wie die Elchpartei wirbt noch um die nötigen Unterstützungserklärungen.

Also bis zum 31. August werden noch Empfehlungen entgegen- genommen.

(c) Heute

LG Euer B.