Brief 06/10
01.12.2010

(c) Pammesberger KurierWas lange währt, wird endlich gut. Ein kuschelaufgeweichtes, rundum abgeschliffenes, abgefedertes, von all den grausligen Einzelschicksalen befreites Sparpaket und somit ein spätes Meisterwerk budgetärer Blendekunst (ein Haushaltsplan) ist vollbracht. Wir haben wieder Geld in der Tasche.

Laut Entwurf sind für 2011 Einnahmen in der Höhe von 62,55 Mrd. € und Ausgaben in der Höhe von 70,13 Mrd. € veranschlagt.

Das ist ein Defizit von 2,6 % des BIP. Das gesamtstaatliche Defizit wird vom Finanzministerium für 2011 mit 3,2 % prognostiziert, die Schuldenquote steigt damit voraus-sichtlich auf 71,3 % des BIP.

“Arbeit muss sich lohnen und Eigentum darf nicht bestraft werden.” (J. Pröll).
Wir haben nachgefragt: Unsere Hausbank würde uns damit ohne mit der Wimper zu zucken Pleite gehen lassen.

(c) KurierEin Zug der Zeit, zumindest eine Marketingmode, erscheint uns die Verpflichtung alles in Pakete zu packen. Dabei geht es uns wie beim Kauf eines Neuwagens. Bis ich alles drin habe, was ich wirklich will und brauche, muss ich 4-5 Pakete dazukaufen. Okkasion ist das keine mehr, schon eher irreführende Werbung mit Tiefstpreisen. Und was tun wir eigentlich mit all dem Krempel, den wir doch niemals brauchen?

Dabei geht es uns längst schon zu gut. Nicht nur wir, auch unsere Tiere werden immer fetter. Möglicherweise gäbe es sowohl für Tiere als auch für den Menschen bisher unbekannte Faktoren, die für die Gewichtszunahme verantwortlich seien, zum Beispiel eine Virusinfektion. (Diese Ausrede funktioniert beim Computer ja schließlich auch).

Denn die klassische Begründung für die Fettsucht-Epidemie beim Menschen - nämlich zuviel Essen und zuwenig Bewegung ­ könne das tierische Übergewicht jedenfalls kaum erklären. Dies berichten Wissenschaftler in den Proceedings B der britischen Royal Society.

(c) Pammesberger KurierDarüberhinaus hat man nichts zusammengebracht. Schon gar nicht die überfälligste Reform von allen: Die vielgefürchtete Verwaltungsreform.

Unsere Prioriäten liegen klar auf der Hand: Abschaffung der Bundesländer und Kündigung der Bundesräte. Innerhalb Europas kommen wir grade mal auf 8.383.784 Einwohner (erstes Quartal 2010) und die können sich auch billiger verwalten.

-> Uff, unsere Chefredakteur hat mit diesem Vorschlag gerade seine langjährige Beziehung gefährdet.

 

Also alles zurück! und Neu: Auflösung des Bundestaates, Entlassung der Bundesregierung und des Nationalrats. Abstimmung über den Austritt der Bundesländer, Gemeinden, Dörfer und Dorfteile aus EU, Eurozone, sowie all den Städten wo wir eh' niemals hinwollten: Schengen, Basel, Lissabon etc. Das verbriefte Recht auf Aufstellung von Grenz -Mauern, -Linien, -Balken gegen alles und jeden. Bewaffnung der Gartenzwerge und vieles mehr das dann (wieder) möglich wird.

Nein im Ernst: Die erste Variante böte unglaubliche Chancen von grenzübergreifenden Regionen, wie z.B. ein Tirol/Bayern von Coburg bis Trient oder auch nur kleine, wie die Zusammenlegung von zwei gleichen Schwerpunktkrankenhäusern, die jetzt nur 6 km voneinander entfernt in NÖ und Burgenland liegen.

(c) Kurier(c) KroneGanz grotesk wird diese Diskussion am Beispiel der Lehrer, diesen erbarmungswürdigen Sklaven ihrer eigenen Interessensvertretung.

Es ist uns scheinbar nicht möglicht für ein paar zusammenhängende km2 rechtskonforme, einheitliche Regeln für einen österreichischen Bildungsstandard zu definieren ohne dass jeder Bürgermeister seine Schützen aufmaschieren lässt. Darunter leiden Eltern Schüler und die Qualität der Ausbildung ganz besonders. Wenn, wie z.B. in den USA, die Schüler zu den Lehren ins Zimmer kommen und nicht umgekehrt bekommt das ganze schon eine andere Dynamik. Wir vertreten das Schülerrecht sich auszusuchen von wem man etwas lernen will und das Lehrerrecht sich auszusuchen, wen er unterrichten will.

(c) KurierDen kläglichen Rest beider Seiten setzen wir vor Facebook (die wollen jetzt doch glatt das Wort “face” patentieren lassen), Wikipedia und Google - viel besser als gar nichts; Nerven- und Budgetschonend für alle Beteiligten. Denn Psychotherapie ist die eine Sache, Ausbildung eine Andere. Beide haben im Hier und Heute ihren Platz und ihre Aufgabe.

 

Wenn wir so aus dem Fenster sehen, erfüllt sich gerade der geringste unsererer Wünsche:
Eine dicke Decke Schnee über all diese Helden!

 

p.S.: “Wenn Österreich im Rating verliert, kostet das Milliarden, wenn ich in Meinungsumfragen zurückfalle, ist das mein Problem.” (J. Pröll)
Das ist eine Einstellung der wir hier, ohne irgendwelche Ironie, unseren verdienten Respekt zollen.

 

LG Euer B.